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OEE berechnen: Wo Ihre Anlage Produktionszeit verliert

 

Auf einen Blick

  • Die OEE verrechnet drei Kennzahlen miteinander: Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsgrad.
  • Im Beispiel einer Schweißanlage: 85 % × 81 % × 92,6 % = 64 % Gesamtanlageneffektivität.
  • Nach zwei Wochenenden technischer Arbeit lag dieselbe Anlage bei 83 %, gehalten über drei Monate.
  • 85 % gelten international als Spitzenwert. Für die Bewertung zählt der Verlauf über mehrere Monate.
  • In der metallverarbeitenden Serienfertigung liegt der größte Hebel meist bei Rüstzeiten und Mikrounterbrechungen.

Eine Anlage läuft, die Schicht ist besetzt, die Aufträge werden abgearbeitet. Am Ende der Woche fehlen Stückzahlen, oder die Qualität schwankt, oder beides. Die vorhandenen Verluste werden selten aufgeschrieben. Da diese Basis fehlt, wird ihnen im Tagesgeschäft selten nachgegangen.

Dafür gibt es die Gesamtanlageneffektivität, kurz OEE. Sie zeigt, an welcher Stelle eine Anlage Produktionszeit verliert, und liefert die Grundlage, um gezielt gegenzusteuern. In Betrieben in Thüringen, Südniedersachsen und Nordhessen erhebe ich diese Kennzahl regelmäßig, meist an einem Engpass, der seit Monaten Ärger macht.

Auf dieser Seite finden Sie die Formel, eine vollständige Beispielrechnung, die typischen Verlustarten und das, worauf es bei der Erhebung im Betrieb ankommt.

Die Formel und was die drei Faktoren bedeuten

Die Gesamtanlageneffektivität setzt drei Faktoren ins Verhältnis. Das Ergebnis ist ein Prozentwert. Er gibt an, wie viel der geplanten Produktionszeit in gute Teile geflossen ist.

OEE = Verfügbarkeit × Leistungsgrad × Qualitätsgrad

Verfügbarkeit beschreibt, wie lange die Anlage tatsächlich produzieren konnte, abzüglich aller Stillstände. Rüstzeiten, Reparaturen, Materialengpässe und fehlendes Personal gehen davon ab. Bevor die erste Zahl aufgeschrieben wird, muss festgelegt sein, welche Zeiten einfließen und welche nicht. Wenn eine halbe Stunde Pause planmäßig abgezogen wird, sinkt die Basis von acht auf siebeneinhalb Stunden. Fehlt diese Festlegung, dreht sich die spätere Diskussion um die Zahlen selbst und kommt bei den Maßnahmen nicht an.

Leistungsgrad ist das Verhältnis der tatsächlichen zur theoretisch möglichen Stückzahl. Die theoretisch mögliche Stückzahl ergibt sich aus der Ideal-Taktzeit und der tatsächlichen Laufzeit. Diese Größe verändert sich mit der Laufzeit. Läuft die Anlage nach einer Verbesserung länger, steigt auch die Zahl der Teile, die in dieser Zeit möglich wären. Auf den Leistungsgrad wirken Mikrounterbrechungen, eine reduzierte Geschwindigkeit und kurze Störungen, die selten erfasst werden.

Qualitätsgrad beschreibt den Anteil einwandfreier Teile an der Gesamtproduktion. Nacharbeit, Ausschuss und Teile, die einer zerstörenden Prüfung zum Opfer fallen, senken diesen Wert. Als Gutteil zählt, was ohne weiteren Eingriff zum Kunden geht.

Beispielrechnung an einer Schweißanlage

Die folgenden Zahlen stammen aus der Erhebung an einer Schweißanlage in einem metallverarbeitenden Betrieb in Nordrhein-Westfalen.

Die Schicht umfasst 480 Minuten. Davon gehen ab: 30 Minuten Pause, 25 Minuten Rüsten und 17 Minuten Mikrounterbrechungen. Netto laufen also 408 Minuten. Das ergibt eine Verfügbarkeit von 85 %.

In diesen 408 Minuten wären bei einer Ideal-Taktzeit von rund 42 Sekunden 580 Teile möglich gewesen. Tatsächlich gefertigt wurden 470. Der Leistungsgrad liegt damit bei 81 %.

Von den 470 Teilen fielen 35 heraus: 15 gingen in die Nacharbeit, 12 waren Ausschuss, 8 wurden für die zerstörende Prüfung verbraucht. Bleiben 435 Gutteile, also ein Qualitätsgrad von 92,6 %.

0,85 × 0,81 × 0,926 ergibt eine OEE von 64 %.

Hinter diesem Wert stehen 36 % geplanter Kapazität, die verloren gehen, ohne im Tagesgeschäft aufzufallen. Auf eine Achtstundenschicht gerechnet sind das fast drei Stunden Produktionszeit.

Was aus diesen Zahlen wurde

Die Erhebung hat drei Ansatzpunkte sichtbar gemacht, und alle drei ließen sich an zwei Wochenenden abarbeiten.

Beim Rüsten stand die Vorrichtung nicht an der Maschine. Nachdem sie ortsnah bereitgestellt wurde, sank die Rüstzeit von 25 auf 15 Minuten. Bei den Mikrounterbrechungen fanden sich 12 der 17 Minuten in einem einzigen Wackelkontakt an einem Initiator wieder. Die verbleibenden fünf Minuten waren statistisches Rauschen. Die Materialorganisation wurde so umgestellt, dass die Anlage nicht mehr auf Nachschub wartet, und die Stückzahl stieg von 470 auf 578.

Der dritte Punkt betraf die Instandhaltung. Spiralen, Düsen und weitere Verschleißteile wurden von da an nach festem Plan gewechselt, bevor abgenutzte Maschinenteile am Produkt Schaden anrichten konnten. Die Nacharbeit ging von 15 auf 3 Teile zurück, der Ausschuss von 12 auf 5. Erst als die Schweißtechnik über drei Monate durchgängig gute Ergebnisse lieferte, war die statistische Grundlage vorhanden, um die Prüffrequenzen zu dynamisieren und die zerstörende Prüfung von 8 auf 2 Teile zu senken. Im Gesamtbild war das eher ein Abrunden der Aufgabe als ein Treiber.

Die Rechnung nach den Maßnahmen: 430 Minuten Nettolaufzeit ergeben eine Verfügbarkeit von 89,6 %. In dieser längeren Laufzeit wären bei gleicher Taktzeit 611 Teile möglich, gefertigt wurden 578, macht einen Leistungsgrad von 94,6 %. Bei 10 fehlerhaften oder verbrauchten Teilen liegt der Qualitätsgrad bei 98,3 %.

0,896 × 0,946 × 0,983 ergibt eine OEE von 83 %. Der Wert hielt über die gesamten drei Monate.

Die sechs Verlustarten

Hinter den drei Faktoren stehen sechs klassische Verlustarten. Sie sind der Grund, die Kennzahl zu erheben. Auf die Verfügbarkeit wirken Anlagenausfälle sowie Rüst- und Einrichtvorgänge. Den Leistungsgrad drücken Leerlauf und Kurzstillstände sowie eine verringerte Geschwindigkeit. Der Qualitätsgrad leidet unter Anlaufverlusten nach dem Wiederanfahren und unter Ausschuss im laufenden Prozess.

Jede Verlustart verlangt eine andere Antwort, und die Aufteilung zeigt, welche. Ein Wackelkontakt an einem Initiator gehört zu den Kurzstillständen und wird von der Instandhaltung erledigt. Eine zu lange Rüstzeit gehört zur Verfügbarkeit und wird im Workshop an der Maschine bearbeitet. Wer den Gesamtwert kennt, weiß damit, dass Kapazität fehlt. Die Verlustarten zeigen, an welcher Stelle.

Worauf es bei der Erhebung ankommt

Ich habe die OEE in mehreren metallverarbeitenden Betrieben erhoben, unter anderem beim Rüsten einer Presse und an der oben beschriebenen Schweißanlage. Den Unterschied macht dabei eine einfache Bedingung: Die Mannschaft arbeitet weiter wie an jedem anderen Tag.

In der Praxis läuft es oft anders. Wer mit der Stoppuhr danebensteht und jeden Handgriff kommentiert, bekommt kein reales Bild. An der Anlage wird anders gearbeitet, sobald jemand zuschaut und mitschreibt. Gebraucht wird der unverfälschte Ist-Zustand. Die Reihenfolge lautet deshalb: beobachten, zuhören, mitlaufen, danach die Daten strukturieren und erst dann gemeinsam mit dem Team über Maßnahmen sprechen.

Für die eigentliche Erfassung reichen wenige Angaben je Schicht, sofern sie vollständig sind: Schichtdauer, jeder Stillstand mit Dauer und Grund, die gefertigte Stückzahl, die Ideal-Taktzeit sowie Nacharbeit, Ausschuss und Prüfteile getrennt voneinander. Ein Blatt an der Anlage genügt dafür in den ersten Wochen. Die Störungsgründe sollten vorher gemeinsam benannt und abgegrenzt werden, sonst landet alles unter Sonstiges.

Zwei weitere Punkte haben sich bewährt. Halten Sie den Erfassungsbereich klein und eindeutig abgegrenzt. Eine sauber erfasste Linie liefert eine belastbarere Grundlage als fünf unscharf erfasste. Rechnen Sie am Ende gegen: Wenn die Stückzahl nicht zur ermittelten Verfügbarkeit passt, stimmt entweder die Erfassung nicht, oder es gibt Verluste, die bisher nicht aufgeschrieben wurden.

Was ein OEE-Wert aussagt

85 % gelten international als Spitzenwert. Für die Bewertung einer einzelnen Anlage hilft diese Zahl nur begrenzt weiter. Für eine komplex verkettete Anlage oder ein aufwändiges Verfahren können 60 % ein hervorragendes Ergebnis sein. Für eine hochautomatisierte Einproduktanlage liegen 90 % im unteren Mittelfeld. Aussagekraft entsteht über den Verlauf. Steigt der Wert über die Monate, wird an der richtigen Stelle gearbeitet.

Die OEE bewertet die Anlage samt allem, was um sie herum organisiert ist. Die Leistung der Mitarbeiter erfasst sie nicht. Dieser Punkt gehört in die erste Ankündigung, besonders wenn der Betriebsrat eingebunden wird. Wer ihn von Anfang an ausspricht, erspart sich Widerstände, die sich sonst an einem Missverständnis aufbauen.

Von der Zahl zur Maßnahme

Die Kennzahl zeigt, wo die größten Verluste liegen. Die Methode richtet sich danach. Bei langen oder häufigen Rüstvorgängen ist SMED der Weg. Bei häufigen Anlagenausfällen und Verschleißproblemen ist es eine vorausschauende Instandhaltung mit festen Wechselintervallen. Bei Ausschuss und Nacharbeit geht es um die Stabilisierung des Prozesses, und 5S schafft dafür die Grundlage.

In der metallverarbeitenden Serienfertigung liegt der größte Hebel erfahrungsgemäß beim Rüsten und bei den Mikrounterbrechungen. Beides lässt sich ohne Investition angehen. Wie ein Rüstworkshop an der Maschine abläuft, ist hier beschrieben: Workshop Rüstzeitoptimierung an der Maschine. Ein ausführliches Beispiel aus einem metallverarbeitenden Betrieb finden Sie hier: Rüstzeit von 90 auf 28 Minuten in sechs Wochen.

Häufige Fragen zur OEE

Für welche Anlagen lohnt sich die OEE?
Vor allem in der Serienfertigung, klassisch in der Automobilindustrie und bei ihren Zulieferern, darüber hinaus überall dort, wo teure Investitionsgüter gut ausgelastet sein müssen. Bei Einzelfertigung oder stark schwankenden Prozessen ist die Aussagekraft begrenzt. Am meisten bringt die Erhebung an einem Engpass, der die nachgelagerten Bereiche bremst.

Welche Fehler passieren bei der Erfassung am häufigsten?
Der häufigste ist eine unklare Definition der Stillstandszeiten. Was zählt als Stillstand und was nicht? Ist das vorher nicht festgelegt, werden die Zahlen später angezweifelt. Der zweithäufigste ist ein zu großer Erfassungsbereich, der viele Daten und wenig Aussage liefert.

Was ist ein guter OEE-Wert?
Das hängt vom Verfahren und vom Automatisierungsgrad ab, weshalb Richtwerte aus der Literatur nur begrenzt weiterhelfen. Tragfähiger ist der Vergleich mit der eigenen Ausgangsmessung. Wer nach drei Monaten von 64 auf 83 % kommt und den Wert hält, hat unabhängig von jeder Richtgröße etwas erreicht.

Was sind typische Ursachen für niedrige Werte?
In der metallverarbeitenden Serienfertigung sind es meist lange oder häufige Rüstvorgänge, Materialengpässe, Mikrounterbrechungen, die kaum erfasst werden, sowie Ausschuss und Nacharbeit aus einem instabilen Prozess. Häufig steckt hinter mehreren Symptomen eine einzige technische Ursache, wie im Beispiel oben der Wackelkontakt.

Was sage ich meiner Geschäftsführung, wenn nach dem Nutzen gefragt wird?
Übersetzen Sie den Prozentwert in Produktionsstunden. 36 % Verlust an einer Achtstundenschicht sind fast drei Stunden Kapazität, jeden Tag. An einem Engpass ist jede zurückgewonnene Stunde unmittelbar Umsatzpotenzial, ohne dass eine Investition nötig wäre. Diese Rechnung versteht auch ein Controlling, das Kennzahlen aus der Fertigung sonst skeptisch betrachtet.

Wie läuft ein erstes Gespräch ab?
Sie schildern Ihre Situation, ich stelle Fragen und ordne ein, wo der größte Hebel liegt. Am Ende wissen Sie, ob und wie sich eine Zusammenarbeit für Sie lohnt. Einen Termin finden Sie direkt über die Online-Terminplanung.

Ihre nächsten Schritte

Wenn an einer Anlage Stückzahlen fehlen und dazu keine belastbare Zahl vorliegt, ist die Erhebung der erste Schritt. Sie dauert wenige Schichten und liefert eine Grundlage, über die sich sachlich diskutieren lässt. Im Gespräch klären wir, ob sich der Aufwand für Ihren Fall lohnt und wo Sie am sinnvollsten anfangen.

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Zuletzt aktualisiert: August 2026

Über den Autor

Volker Rozek ist freiberuflicher Prozessoptimierer für die metallverarbeitende Serienfertigung, mit Sitz in Heilbad Heiligenstadt und bundesweit im Einsatz, mit Hauptgebieten in Thüringen, Südniedersachsen und Nordhessen. Über 30 Jahre Praxis in der Automobilzulieferindustrie, davon 6 Jahre in China sowie Einsätze in England und Indien, in Produktion, Prozessoptimierung und Projektmanagement. Seit 2018 unterstützt er Werks-, Produktions- und Qualitätsleiter dabei, Engpässe zu beseitigen und Abläufe dauerhaft zu stabilisieren. Er löst Probleme direkt im Betrieb, nicht vom Schreibtisch aus. Damit gewinnt Ihr Team Know-how und das Wissen bleibt in Ihrer Mannschaft.

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