Zuletzt aktualisiert: Juni 2026
Je später ein Fehler entdeckt wird, desto teurer wird seine Behebung — mit jedem Produktionsschritt steigen die Kosten um den Faktor 10. Das ist die zentrale Aussage der Zehnerregel der Fehlerkosten, und sie gilt in jedem metallverarbeitenden Betrieb, unabhängig von Losgröße oder Branche.
Was das in der Praxis bedeutet, zeige ich anhand von Erfahrungen aus Projekten in der metallverarbeitenden Serienfertigung in Thüringen, Südniedersachsen und Nordhessen.
Kostenverlauf der Fehlerkosten
Die Fehlerkosten steigen mit jeder Phase progressiv an — der Faktor zwischen den Stufen beträgt 10. Das ist der Grund für den Namen. Wer einen Fehler erst in der Produktion behebt, zahlt nicht nur für die Korrektur selbst, sondern auch für alle Folgen, die er bis dahin ausgelöst hat: Nacharbeit, Ausschuss, Stillstände, Kundenreklamationen.
Interpretation der entstehenden Kosten
Frühe Phasen: Wo die Weichen gestellt werden
In der Konzeption und Entwicklung sind die Möglichkeiten zur Fehlervermeidung am größten — und die Kosten für Korrekturen am geringsten. Genau hier lohnt es sich, Ressourcen und Expertise zu investieren. Für Produktions- und Qualitätsleiter bedeutet das: Wer sich aktiv in diesen Phasen einbringt, trägt viel dazu bei, Probleme zu verhindern und dass diese später ausschließlich in der Fertigung landen. Entwickler und Konstrukteure sind zu diesem Zeitpunkt längst im nächsten Projekt — die Konsequenzen tragen meistens diejenigen, die die Serie verantworten.
Anfertigungs- und Produktionsphase: Wenn es richtig teuer wird
Werden Fehler erst hier entdeckt, wird es kritisch. Mit jedem produzierten Teil steigen die Kosten: Nacharbeit und Ausschuss, erhöhter Material- und Energieeinsatz, zusätzliche Prüfaufwände, gesteigerter Maschinenverschleiß — und das alles bei gleichzeitigem Druck, die Kundenversorgung aufrechtzuerhalten.
Das Beheben von Fehlern in dieser Phase ist nicht nur teuer, sondern auch aufwendig. Containment-Maßnahmen, Sonderfahrten, Kundengespräche — der Aufwand potenziert sich, während der Handlungsspielraum kleiner wird.
Möglichkeiten zur Fehlerprävention
In der Konzeption und Entwicklung bestehen die besten Voraussetzungen, Fehler frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Dafür gibt es bewährte Methoden — unter anderem Prozess- und Konstruktions-FMEAs, Toleranzstudien, Herstellbarkeitsbewertungen und Simulationen.
Für Produktions- und Qualitätsleiter ist das relevant: Wer weiß, dass diese Werkzeuge existieren, kann in frühen Projektphasen gezielt nachfragen — und eine Serienfreigabe an deren Ergebnisse knüpfen. Denn wer später die Produktion verantwortet, hat ein berechtigtes Interesse daran, dass Produkt und Prozess solide geplant und abgesichert sind — bevor die Serie anläuft.
Von der Prävention zum Beheben von Fehlern
Ist ein Fehler trotz aller Vorausplanung durchgerutscht, zählt schnelles und strukturiertes Handeln. Je früher und schneller er nun abgestellt wird, desto besser kann dafür gesorgt werden, dass die Kosten nicht explodieren. Zu Beginn wird auch mehr Spielraum bleiben: Detailänderungen am Design, Anpassungen an der Fertigungsmethode oder gezielte Nachtests lassen sich noch wirtschaftlich umsetzen. Mit jeder Phase, die verstreicht, werden die Optionen weniger — und die Kosten höher.
Fehlerbehebung oder schon Trouble Shooting?
Werden Fehler erst in der laufenden Serie sichtbar, ist der Handlungsspielraum eng. Lean-Methoden, strukturierte Problemlösung und gezielte Prozessanpassungen können auch hier wirksam sein — vorausgesetzt, das Produkt selbst muss nicht grundlegend geändert werden. Ist das der Fall, wird aus Fehlerbehebung schnell Krisenmanagement: mit allem,
was dazugehört.
Kostenloses Erstgespräch führen — wenn bei Ihnen gerade Fehler zu spät entdeckt werden und die Kosten steigen.
Über den Autor
Volker Rozek ist freiberuflicher Prozessoptimierer für die metallverarbeitende Serienfertigung — mit Sitz in Heilbad Heiligenstadt und Einsatzgebieten in Thüringen, Südniedersachsen und Nordhessen. Über 30 Jahre Praxis in der Automobilzulieferindustrie — davon 6 Jahre in China, mit weiteren Einsätzen in England und Indien — in Produktion, Prozessoptimierung und Projektmanagement. Seit 2018 unterstützt er Werks-, Produktions- und Qualitätsleiter dabei, Engpässe zu beseitigen und Abläufe dauerhaft zu stabilisieren.